ASPHALT

In meinen Texten ist Asphalt allgegenwärtig, denn meine Geschichten spielen in der Großstadt.

Ich mag die Textur von Asphalt. Wenn er richtig neu und glatt ist, dann fühlt es sich an, als würde ich über Wasser gleiten oder als wäre Samt unter mir. Älterer Asphalt ist rau wie Schmirgelpapier und ich fühle jeden einzelnen Stein, über den ich drüberfahre. Dieser Asphalt macht mich langsam und strengt mich an.

Meine Bewegung über Asphalt drückt mich in meinen Körper hinein, er wird zu einem Werkzeug. Diese Körperlichkeit ist wichtig für mein Schreiben. Ich muss spüren und fühlen, was ich schreibe.

Die Momente, die ich auf Asphalt erlebe, haben oft etwas Romantisches, Filmisches. Situationen, Bewegungen, Gespräche.

Ich liebe die Wärme von Asphalt in Sommernächten. Wenn ich aus einem Park rausgehe und mich diese warme Luft umhüllt. Wenn ich auf einem Roller sitze und durch die Nacht gefahren werde. Ich umarme dich von hinten und drücke mich an deinen Rücken.

Oder wenn ich einen Supermarkt verlasse, auf dem Parkplatz stehe und die weiche salzige Luft rieche, die vom Asphalt erhitzt ist.

Wenn Asphalt im Sommer flimmert, sieht es aus, als wäre da Wasser. Und wenn es geregnet hat, wird der Asphalt zu einer spiegelnden Fläche und verschmilzt mit dem Himmel. Es entstehen Orte, die ich nicht betreten kann. Ich kann mir nur vorstellen, wie sie sind.

Ich liebe Asphalt.

Samantha Bohatsch
Asphalt, 2022

 

image: google maps